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Geschichte der Burg in Form einer Zeitleiste

Burg Reichenberg in Privatbesitz

Das Hauptgebäude erwirbt Moses Aron von Ruppertshofen auf Abbruch, der nach dem Veräußern aller brauchbaren Teile dem Lande Hessen nur die zum Teil noch zusätzlich abgeräumten Mauern hinterlässt.
1836   Der Burgenliebhaber Archivar Friedrich Gustav Habel (gest. 1867) aus Wiesbaden Schierstein erwirbt für 50 Gulden die Ruine und kauft Teile des Vorwerks, Säulen und anliegende Grundstücke zurück. Ein Verwalter hat darauf zu achten, dass die 'schöne Ruine' erhalten bleibt. Eine marmorne, zum Teil zerstörte Gedenktafel im Durchgang der Schildmauer erinnert an ihn (s. Kapitel: Charlotte von Reichenberg). 1840   Victor Hugo fertigt von der Ruine eine Bleistiftzeichnung an und schreibt über den Ritter von Reichenberg eine Sage auf (s. Burg Reichenberg in der Literatur).
Während dieser Zeit besuchen auch Victor von Scheffel und Wilhelm Riehl die Burg. Beide sind von der Großartigkeit der Burganlage so begeistert, dass jeder auf seine Art dieses Erlebnis festhält. Während einer Rast auf dem Heimweg fertigt Victor von Scheffel eine Skizze an zur späteren Ausarbeitung.

Victor von Scheffel zeichnet die Ruine der Burg nach einem Besuch ca. 1855.Victor von Scheffel zeichnet die Ruine der Burg nach einem Besuch ca. 1855.

Wilhelm Riehl schreibt zunächst einen Artikel über diesen Besuch, den Leo Sternberg in seinem Heimatbuch Land Nassau veröffentlicht.
... "Als wir uns aber nach einer Strecke Wegs noch einmal nach der Burg umschauten, fand Scheffel das Bild so wunderschön, daß er sich unter den nächsten Baum setzte und fast eine Stunde lang, trotz allen Durstes, Burg und Landschaft sorgsam zeichnete. Ich spann während der unerwarteten Rast an meinen Gedanken über die prächtigen Ruinen weiter. Und so entstand in mir der Plan zu der Novelle "Burg Neideck", den ich dann nach meiner Gewohnheit jahrelang mit mir herumtrug, bevor ich ihn ausführte." 1867   Nach dem Tode von Archivar Habel erbt dessen Neffe, der Amtsrichter Conradi von Miltenberg am Main, die Burg.
1875   Von ihm erwirbt die Gräfin Charlotte von Mellin (Livland), geschiedene von Grothe, die Burg. Sie darf sich Charlotte von Reichenberg nennen (eigenes Kapitel).
1880   Am 21. Dezember stirbt die Gräfin und vermacht Burg Reichenberg ihrem Neffen Baron Wolfgang von Oettingen (geb. in Dorpat, Estland). Die Besitzer vor ihm haben sowohl im Fachwerkhaus vor dem Marstall als auch im Eckturm (Nikodemus genannt) gewohnt. Er lässt den heutigen Wohnkomplex auf der Westseite in mehreren Bauabschnitten, zunächst zinnenartig mit Flachdächern, erstellen und erwirbt am Burgberg Waldstücke und Ländereien zurück.
Die Gemeinde gestattet ihm 1881 die früher bestandene Wasserleitung im alten Graben (Quellfassung im Gemeindewald Distrikt 'Hahn') wieder herzustellen, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Die Forstbehörde schätzt den Holzschaden auf 60 Mark, die von dem Schlossbesitzer aufzubringen sind.
Über dem 'Nikodemus' wird ein kegelförmiges Zinkdach errichtet, um die darunterliegenden Studierzimmer - v. Oettingen ist mittlerweile Professor und Geheimrat - vor Feuchtigkeit besser zu schützen. In einer Sturmnacht jedoch hält die Konstruktion nicht stand, und Teile davon landen im 'Bohnenberg'. Hier wird nach einer Zeichnung von M. Colonius, St. Goarshausen, in kürzester Zeit ein Gartenhaus (Pavillon, Teehaus) gebaut. Erstaunlich dabei: Antrag gestellt am 10. Sept. 1913, Genehmigung erteilt nach Prüfung durch das Bauamt in St. Goarshausen am 11. Sept. 1913!
1884   In einer besonderen Sitzung des Reichenberger Gemeinderates werden sich der Besitzer der Burg und die Gemeinde einig darüber, dass unter bestimmten Auflagen die allgemeine Überfahrts- und Ganggerechtigkeit gelöscht wird (Schriftverkehr, Sitzungsprotokolle und Vereinbarungen für alle Rechtsnachfolger im Archiv).
1888   Einsturz der Mittelsäulen und des Daches im Saalbau (Palas).
1908   Professor, Dr. Wolfgang von Oettingen, gegenwärtig Senator und ständiger Sekretär der Kgl. Akademie der Künste in Berlin, wird zum Direktor des Goethe-Museums in Weimar berufen. Die Familie zieht mit ihm dort hin und kommt nur gelegentlich nach Reichenberg.
1912   Ausbesserungsarbeiten an der Schildmauer.
1913   Restaurierung des Saalbaues. Auf der Grundlage von Dilichs Plänen und unter Leitung des königlichen Hochbauamtes in Rüdesheim werden neue Sandsteinsäulen eingebaut. Der ganze Saalbau erhält im Inneren Querverankerungen und das eingestürzte Gewölbedach wird wieder hergestellt.
1919   Nach verlorenem Krieg richtet sich eine Funkabteilung der französischen Besatzungsmacht auf der Burg ein.
1943   Geheimrat, Professor, Dr. phil. Baron Wolfgang von Oettingen stirbt. Von 1909 bis 1918 war er Direktor des Goethe-Nationalmuseums in Weimar und seit 1911 auch des Goethe- und Schillerarchivs. Als Literaturhistoriker und Übersetzer machte er sich in Fachkreisen einen Namen.
Sein Sohn, Professor Dr. med. Karl Johann von Oettingen tritt sein Erbe an. Zu dieser Zeit ist er Chefarzt eines Wiesbadener Krankenhauses, nachdem er zuvor Ordinarius für Gynäkologie an der Universität Heidelberg war.

Ruine Reichenberg bei St. Goarshausen R.StielerRuine Reichenberg bei St. Goarshausen R.Stieler

1945   In den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkrieges erhält die Burg von der linken Rheinseite aus mehrere Einschläge amerikanischer Artillerie. Ein Treffer am Turm (17. März) bewirkt, dass einige der Kragsteine am Turm abbrechen und herabstürzen. Diese zerschlagen das Deckengewölbe des seit langem gesuchten Brunnens unterhalb der Schildmauer auf der Westseite. Im Teilungsvertrag von 1352 (Pütz) ist er ein wichtiger Vertragspunkt. Bei Dilich ist er zwar eingezeichnet, aber die Kenntnis der genauen Lage war verloren gegangen. Wohl kaum hätte man bei der Anlage des 'Rosengartens' einen Promenadenweg genau über diese Stelle geführt. In einer leichten Kurve ist der Brunnenschacht ca. 60 Meter tief in den Felsen getrieben. Leider wurde er bei einem späteren Besitzer als Müllgrube genutzt.
In den letzten Kriegstagen vor dem Rheinübergang der Amerikaner bieten die Kasematten der Bevölkerung Schutz vor dem Artilleriebeschuss.
1953   Professor Dr. med. Karl Johann von Oettingen stirbt. Seine Erben verkaufen die Burg.
1956   Neuer Besitzer ist Friedrich Holz, ein Kaufmann aus dem Rheinland.Er lässt 1963 leider das alte Fachwerkhaus von 1723 (Wohnhaus der Gräfin und vorübergehendes Wohnhaus des Barons von Oettingen) abbrennen und baut eine Autostraße bis vor seine Haustür. Auch das zweite Tor, von Osten kommend am Nikodemus, lässt er bei dieser Aktion niederlegen. Den Halsgraben schüttet er zu und errichtet darauf Pferdeställe. Durch Ankauf von Wiesen und Äckern in der Gemarkung vergrößert er den Landbesitz und hält Fjordpferde.
13. April 1971   Der nördliche, zweite Turm stürzt ein und rutscht bis auf den Felssockel ab. In einer mächtigen Staubwolke sackt er in sich zusammen. Der Schutt verteilt sich auf den Burghof, den Rosengarten und auf die Nordseite.
1988   Burgbesitzer Friedrich Holz stirbt. Da auch sein Sohn bald darauf das gleiche Schicksal erleidet, erben seine beiden Enkel den Besitz. Ein Kölner Rechtsanwalt übernimmt die Nachlassverwaltung.
1988   Burg und Burgberg werden unter Denkmalschutz gestellt. Nach jahrelangen Bemühungen durch den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Schmidt und den Gremien ist endlich ein Sondergutachten über die Burg erstellt worden. Vereinfacht drückt es der Gutachter, Dr. Heiko Gerdes, so aus, dass der weitere Verfall nur zu stoppen ist, wenn das Niederschlagswasser in geordnete Bahnen gelenkt wird.

Burgansicht nach dem Einsturz des zweiten Turmes 1971Burgansicht nach dem Einsturz des zweiten Turmes 1971

1990   Neuer Besitzer der Burg ist Hans Quintes.
Kein bisheriger Besitzer hat sich in solchem Maße für die Erhaltung und Renovierung der Burganlage engagiert. Neue Vermessungstechniken per Computer ermöglichen es, dass Stein für Stein und Mauerrest für Mauerrest vermessen wird, um Restaurierungsarbeiten sachgerecht ausführen zu können. Er lässt größere Renovierungsarbeiten am Wohnhaus und Restaurierungsarbeiten am Bauwerk der Burg ausführen. In die Schildmauer werden Ringanker eingebracht. Zinnenartige Abmauerungen sichern die Oberseite und in zwei Stockwerken der Schildmauerwölbung werden Fenster eingebaut. Der kleine Eckturm (Söller in der Südostecke des Burghofes) wird stabilisiert und durch eine Treppe zugänglich gemacht.
1994   Teile des ehemaligen Wohngebäudes zu katzenelnbogerner Zeit, auf der Nordseite der Burg, stürzen ein. Ein Stahlkorsett rettet den Rest des Gemäuers.
1997   Der Sockel des ehemaligen Nordturms wird wieder hochgemauert. Durch ihn soll die Schildmauer, aber auch vor allem die durch ein Stahlkorsett gestützte Mauer des mittelalterlichen Wohntrakts einen neuen Halt bekommen.
1999   Restaurierungsarbeiten am Marstall sind in Angriff genommen. Eine gesicherte Decke leitet das Wasser ab und eine neue Verankerung bewahrt die Südwand des Marstalls vor dem Abrutschen.
2000   Im Bau ist ein Zinnenabschluß auf der Mauerkrone des Marstalls.
2003   Der Burgbesitzer Hans Quintes hat finanzielle Probleme, die Burg und die umgebenden Ländereien werden unter Zwangsverwaltung gestellt.
2005   Bei einem ersten Versteigerungstermin beim Amtsgericht St. Goar, bei der auch einige Reichenberger Bürger anwesend waren, wurde kein gültiges Gebot abgegeben; der Verkehrswert war auf 428.000 € festgelegt worden.
2006   Am 20.02.2006 wurde die Burg durch Alfred Richard Götz ersteigert. Der Preis beträgt 400.000 Euro. Der Kaufpreis wird jedoch nicht gezahlt! Das Schicksal der Burg ist daher weiter unklar.
2007   Der Versteigerungstermin am 05.11.2007 wurde durch das Amtsgericht in St. Goar wegen eines Ladungsfehlers aufgehoben. Der Eigentümer hat dies über einen Anwalt rügen lassen.
2010   Am 12.04.2010 ersteigerte der frühere Besitzer, Hans Quintes, die Burg erneut für 570.000 Euro. Vom Rechtspfleger wurde auf Antrag der betreibenden Volksbank die Sicherheitsleistung jedoch mit 430.000 Euro festgelegt. Der Zuschlagstermin wurde auf den 27.04.2010 anberaumt. Da diese Sicherheitsleistung vom Höchstbietenden nicht erbracht wurde, fiel der Zuschlag an den Zweitbietenden, einen Unternehmer aus dem Ruhrgebiet. Nach Jahren der Ungewissheit hat die Burg nun wieder einen Eigentümer, der sich zusammen mit der Denkmalpflege um die Anlage kümmern wird.