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Geschichte der Burg in Form einer Zeitleiste

Katzenelnbogener Zeit 1319-1479

1319   Erste Erwähnung Reichenbergs in der Urkunde vom 10. August. Erzbischof Baldewin von Trier bekundet, dass Graf Wilhelm von Katzenelnbogen und seine Frau Adelheit die Dörfer Bornich, St. Goarshausen, Patersberg und Offenthal mit allen hohen und niederen Gerichtsbarkeiten, Rechten, Herrschaften, Leuten, Einkünften und allem Zubehör von ihm und der Trierer Kirche als Lediglehen innehaben. Er gestattet ihnen, auf dem Berge richenberch mit seiner Unterstützung eine Burg zu errichten, nachdem sie gelobt haben, dass diese Burg mit allem Zubehör, sobald sie begonnen worden ist, ständiges Lehen der Trierer Kirche und ihr geöffnet sein soll. Er untersagt, die Burg und die genannten Güter einem anderen zu Lehen zu geben oder sie auf irgend eine Weise zu entfremden.
1324   Verleihung der Stadtrechte. Auf Bitte Graf Wilhelms von Katzenelnbogen nimmt König Ludwig IV der Bayer das neuerbaute Schloss Reichenberg mit dem Dorf Husen in seinen Schutz und stattet die daraus zu errichtende Stadt mit den Rechten und Freiheiten der Stadt Frankfurt aus und verleiht ihr einen dienstags abzuhaltenden Wochenmarkt.
Der nur noch in Teilen erhaltene, stark vermoderte Originaltext befindet sich im Staatsarchiv in Marburg.
1326   Edelknecht Hermann Stumpf von Waldeck wird Burgmann auf Reichenberg. Graf Wilhelm gibt ihm als Burglehen 3 Mk. jährlich zu Weihnachten fälliger Gülte, die mit 30 Mk. ablösbar sind.
1328   Ritter Kraft von Allendorf wird Burgmann auf Reichenberg. Dafür soll er binnen Jahresfrist 4 Mk. unter der Bedingung erhalten, dass er zu Reichenberg ein Haus baut und darin wohnt. Diese 4 Mk. soll Kraft so lange erhalten, bis der Graf ihm dafür 40 Mk. gegeben hat, die Ritter Kraft dann mit Eigengütern belegen muss. Dafür sollen er und seine Erben dann Burgmannen zu Reichenberg sein.
1330  Kaiser Ludwig bestätigt Graf Wilhelm von Katzenelnbogen die Freiheiten für Reichenberg von 1324.
1331   Graf Wilhelm gebietet, und lässt dies bei einem Umritt zu Rinvelz (Rheinfels erbaut 1245), zu Rychinberg, zu Katzinelnbogen, zu Twingenberg, ... beschwören, dass keiner seiner geschworenen Turmknechte, Pförtner, Burggrafen und dgl. zur Sicherung seiner Kinder nach seinem Tod weder im Kleinen noch im Großen etwas weggibt. Neben anderen Besitzungen wird nun auch Reichenberg genannt, wohin sich seine Kinder zur Sicherung ihrer Herrschaft und Nahrung begeben sollen.
1331   Nennung Reichenbergs auf einer Grabinschrift im Kloster Eberbach (Rheingau). Sieben Katzenelnbogener Grafen sind in Kloster Eberbach bestattet.
1331   Graf Wilhelm I von Katzenelnbogen, der Erbauer von Reichenberg, stirbt. Sein Sohn Wilhelm II wird sein Nachfolger.
1333   Graf Wilhelm II von Katzenelnbogen ernennt den Ritter Friedrich Brenner wegen seiner Verdienste, die er seinem Vater Wilhelm I geleistet hat, zum Burgmann auf Reichenberg. Er erhält dafür jährlich 10 Pfd. und zwar solange, bis der Graf mit 100 Pfd. ablöst. In diesem Falle soll Ritter Friedrich Brenner 10 Pfd. aus seinen Eigengütern anweisen und dann mitsamt seinen Erben davon Burgmann zu Reichenberg sein.
1347   Nennung eines Truchseß Simon von Reichenberg, der bei Besitzstreitigkeiten im Dorfe Nastätten als Zeuge aufgetreten ist.
29. Juni 1352   (Teilungsurkunde) Graf Wilhelm II von Katzenelnbogen und sein Bruder Eberhard V vereinbaren auf Anraten ihrer jeweiligen Freunde u.a. Walram von Sponheim, Ritter Johann von Battenberg, Simon Franz, Udo Biß, Abfindungen und Abtretungen in verschiedenen Besitzungen. Für Reichenberg wird folgende Vereinbarung getroffen:

Der Brunnen (pütz) auf der Burg soll gemeinsam sein.
Was vom Brunnen aus rheinwärts gelegen ist und die Ställe darunter soll Eberhard erhalten.
Das Übrige mit Mantel, Türmen, Behausung und was an jener Seite liegt mit Vorburg, dale (Siedlung im Tal) und allem Zubehör soll Wilhelm wie bisher gehören.
Graf Eberhard darf wie Wilhelm in gleicher Weise Feuer- und Bauholz schlagen.
Der Platz zwischen dem Brunnen und dem Mantel soll nicht bebaut werden. Beide Grafen geloben einen Burgfrieden gemäß einer darüber ausgestellten Urkunde.

Darin ist festgelegt, dass Eberhard und seine Freunde durch Ort und Vorburg ein- und ausreiten dürfen, ohne Graf Wilhelm zu schädigen, aber auch ohne von ihm und den Seinen gehindert zu werden. Weiterhin ist abgesprochen, dass Graf Wilhelm die Ringmauer in der Weise, wie sie angelegt ist, herumführen soll, die Türme, die in dieser Mauer vorgesehen sind, braucht er jedoch nur zu bauen, wenn er will. Graf Eberhard darf sich innerhalb dieser Mauer eine Wohnung nach seinem Willen errichten, vorausgesetzt, dass dadurch der anderen Burg kein Schaden durch Überbauung entsteht. Graf Eberhard erhält ferner als Garten den Platz, an dem die Kirschbäume stehen, der an des Schäfers Garten beginnt, den Weg an den Weiden entlang geht bis an den Graben und diesen herauf auf den Berg bis zu den beiden Nussbäumen und wieder bis zu dem Schäfersgarten. Graf Eberhard gelobt, diese Anteile weder zu verkaufen noch der Herrschaft der Katzenelnbogener irgendwie zu entfremden und nur mit Rat Graf Wilhelms und Graf Walrams zu heiraten. Heiratet er ohne Zustimmung, verliert er alle Besitzungen wieder.

1353   Graf Wilhelm von Katzenelnbogen und sein Bruder Eberhard schließen auf Rat ihres Schwagers Graf Walram von Sponheim und ihrer Freunde einen Burgfrieden über Reichenberg, den sie zu halten schwören.
Der sal anegene an dem persgaben und da yn über dy bach an dy mülen und den grunt uz biz gen dem baumen zwussen Richenberg und Auwel stet uff dem velde und also de rechte urbirz velt gen hern Friderich Keßlis wingarten und da yn und andersite widder uz biz obin an daz forstchin, daz under Ryzehan liit, und aber da yn und andersite de rechte widder uz uff dy straze, dy under Hushecke hyneget, und dy straze yn biz widder gen dem persgaben. Innerhalb dieses Burgfriedensbezirkes soll keiner des andern Leib noch Gesinde vorsätzlich angreifen. Wer es doch tut, wird damit meineidig, treu- und ehrlos. Wer eines andern Gut innerhalb dieses Gebietes freventlich angreift, obwohl es verboten ist, und den Schaden auf Mahnung nicht sofort wieder ersetzt, soll gleichfalls als meineidig, treu- und ehrlos gelten. ...
Keiner soll den anderen in diesem Hause oder von dieser Burg aus schädigen. Ihre beiderseitigen Amtleute und ihre in der Burg wohnenden Diener sollen diesen Frieden beschwören und jeder des andern Leib, Gut und Gesinde innerhalb dieses Bezirkes gegen jedermann und so beschützen, als ob es ihm selber gehöre.
Will ein Graf jemand in die Burg aufnehmen (inhalden), so soll er es den anderen wissen lassen, oder es, wenn er diesen nicht erreichen kann, seinem dortigen Amtmann oder Pförtner mitteilen.
Gegen den Trierer Erzbischof soll keiner einen auf die Burg nehmen, da diese dem Erzbischof geöffnet ist.
Welcher Fürst, Graf oder Herr aber auf die Burg genommen wird, dessen Hauptmann soll den Burgfrieden schwören.
Ritter, Knechte und andere aber, die auf die Burg gelassen werden, müssen den Burgfrieden schwören.        (verkürzte Darstellung)

Beide Grafen geloben, alle diese Punkte unverbrüchlich zu halten und siegeln gemeinsam mit Graf Walram von Sponheim, den Rittern Udo Biß, Johann Marschall von Waldeck, Heinrich Beyer von Boppard d. J. und Johann von Liebenstein.
1363   Ritter Konrad von Schöneck, gen. der Rote, und sein ältester Sohn Konrad bekunden, dass sie durch den Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen Burgmannen auf Reichenberg sein sollen.
1367   Nennung Konrads von Reichenberg als Grenznachbar des Henne Wolf von Patersberg.
1371   Graf Wilhelm II von Katzenelnbogen stiftet auf seinem Schloss Reichenberg zum eigenen Seelenheil und das seiner Frau Else, seines Bruders Eberhards und Anverwandten in seiner Kapelle einen Altar mit einer ewigen Messe mit Zustimmung des Pastors Wilhelm zu Bornich, in dessen Pfarrei die Kapelle gelegen ist.
1371   Nennung des dem Katzenelnbogener Grafen Hörigen Henne von Dickschied, der in der Freiheit von Reichenberg ansässig ist und dorthin sein Gut gebracht hat.
1372   Auf Reichenberg datierte Urkunde vom 10. März. Im Schloss zu Reichenberg in Wüsschebudels Haus sind der Lierschieder Pfarrer Arnold, der Oberwallmenacher Pfarrer Thielmann, der Reichenberger Kaplan Forlip zusammengekommen. Sie sind bereit, den Überfall des Schultheißen Göbel Hach, von Nassau, bei der Altarweihe in Oberwallmenach zu beschwören. Der Bischof Johann von Tramyd befand sich mitten in der Altarweihe (mit Salz, Asche und Wasser), als der Angriff geschah. Ritter Pinner von St. Goar als Begleiter des Bischofs, konnte die Angreifer überwältigen und gefangen nehmen.
1374   Bestallungsurkunde (auf Rheinfels ausgestellt): Ritter Johann Brenner von Lahnstein wird von Graf Wilhelm von Katzenelnbogen zum Amtmann über Schloss (sin sloß) Reichenberg und Herrschaft bestellt. Er soll dort mit fünf Gewappneten und sechs Pferden liegen und Schloss und Herrschaft auf eigene Kosten und Verluste schirmen und schützen. Er gelobt, keinen Ersatz für die Schäden, die er dabei erleidet, zu fordern. Gewinnt er denjenigen, die gegen Schloss und Herrschaft sind, etwas ab, soll er es genießen.
1375   Ritter Johann Brenner von Lahnstein bekundet, dass er Schloß und Herrschaft Reichenberg auf dem Einrich, die ihm Graf Wilhelm II von Katzenelnbogen amtsweise übertragen hatte, wieder aufgegeben hat.
1376   Auf das Haus Reichenberg sind von Heinz Schlitzauge aus Reitzenhain und seiner Frau Hebel jährlich zwischen dem 15. August und 8. September Abgaben zu leisten. Zum Unterpfand setzen sie folgende Güter:

die Hofraithe zu Reitzenhain, auf der Schlitzauge sitzt
seine nächsten Stücke Land am Forste
seine Wiese unter Schruthünes Scheuer
seine von Storen gekaufte Wiese im Reitzenhainer Niederbach unter seinem Weinberg

1378   Eberhard von Reichenberg, unebenbürtiger Sohn des Grafen Eberhard V von Katzenelnbogen, wird am 12. Oktober als Pfarrer von Lay vorgestellt. 1393 Kanoniker in St. Goar und noch 1404 als Pastor in Lay genannt. 1397 ist er zugleich Zollschreiber Graf Eberhards.
1380   Urkunde auf Reichenberg ausgestellt über Boemund von Hohenstein für Gerlach von Rheinberg, der den Thammo von Wesel gefangen genommen hat.
1380   Johannes, Schreiber des Graf Wilhelm von Katzenelnbogen, bekundet, nachdem Gerlach von Rheinberg den Thammo von Wesel gefangen genommen hat, dass er, seit der von Ritter Johann Piner und dem Reichenberger Amtmann Boemund von Hohenstein zwischen Graf Wilhelm von Katzenelnbogen und Gerlach von Rheinberg geschlossene Sühne, einen Absagebrief Thammos an Gerlach weder angesagt noch geschrieben hat.
1380
   Kapellenbau und Altarweihe. Diese zweite Kapelle (heutige Dorfkirche) ist in die Ringmauer eingebunden und bildet den südlichsten Bau in der Vorburg. Die Urkunde im Archiv zu Marburg sagt aus, dass Wilhelm II von Katzenelnbogen am Fuße der Burg eine Kapelle ausstattete und ihre Weihe zu Ehren der Schutzheiligen Georg und Christopher vornehmen lässt.

1382   Ludwig, ein freier Walpode, Herr zu Waldmannshausen, erhält von Graf Wilhelm von Katzenelnbogen zahlreiche Lehen und Zubehör. Dafür soll er Burgmann auf Reichenberg sein.
1383   Der Edelknecht Wilhelm von Staffel bekundet, dass er sich mit Graf Wilhelm von Katzenelnbogen wieder gütlich verträgt und Burgmann zu Reichenberg geworden ist. Er soll dem Grafen bis zum kommenden 24. Juni 10 fl. von seinen Eigengütern, die nahe der Herrschaft gelegen sind, anweisen, sodass sie gut belegt sind. Sollte Wilhelm oder dessen Erben die Burgmannschaft aufgeben, so müssen sie dem Grafen zuvor 100 fl. bezahlen.
1383   Die Brüder Reinhard und Dietrich von Schönborn erhalten von Graf Wilhelm von Katzenelnbogen 60 fl. St. Goarer Währung, wofür sie Burgmannen auf seinem Schloss Reichenberg sein sollen.
1383   Am 9. August beurkundet auf Reichenberg der kaiserliche Notar Johann Hellinger von Oberwesel und Kleriker des Trierer Bistums, dass sich Getze von Rettershain vor dem Grafen Eberhard von Katzenelnbogen schuldig bekennt, ihm 40 fl. schuldig zu sein.
1385   Vollendung des Ostanbaus, Ausbauarbeiten an der Vorburg und Wirtschaftsburg, Scheunen und Keller.

1385   Tod des Grafen Wilhelm II von Katzenelnbogen, sein Bruder Eberhard V von Katzenelnbogen erbt Reichenberg.
1392
   Herr Forlip von St. Goar, Kaplan zu Reichenberg, und Frau Mechthild verfassen ein Testament über die Errichtung eines kirchlichen Amtes zur Feier von Messen für Graf Wilhelm II von Katzenelnbogen.
1393   Eberhard von Reichenberg (Neffe von Graf Eberhard V von Katzenelnbogen) Pastor zu Lay, wird als Zeuge in einem Rechtsstreit aufgeführt.
1397   Nennung von Eberhard von Reichenberg, Pastor zu Lay, als Zollschreiber.
1400   Ritter Kraft von Allendorf d. J. hat 4 Mk. Geldes, wofür er Burgmann zu Reichenberg ist.
1400   Graf Eberhard V von Katzenelnbogen und seine Tochter Anna bekunden, dass sie in Übereinstimmung mit dem Pastor Wilhelm von Bornich und dem ständigen Vikar der Kirche zu Bornich, Trierer Diözese, Johann Diez von Bacharach und den Gemeinden Patersberg und Reichenberg zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, Marias, Christopherus und Egidius die Kapelle mit Friedhof in Patersberg, Filiale der Mutterkirche in Bornich, mit eigenen Einkünften ausgestattet haben. Die Kapelle in Patersberg soll in Zukunft einen eigenen, dort persönlich residierenden Pfarrer haben. Die Einwohner von Patersberg und Reichenberg verpflichten sich, die Kapelle oder Kirche in Patersberg als ihre Pfarrkirche anzuerkennen. Patersberg und Reichenberg sollen sich bei Subsidien und Zehnten der Bornicher Kirche an den Erzbischof von Trier mit einem Drittel beteiligen.
1402   Wiegand Straß von Schönborn d. J. wird Amtmann zu Reichenberg und erhält dafür von Graf Eberhard von Katzenelnbogen ein Burglehen zu Schwalbach.
1402   Auf Reichenberg wird eine Urkunde über Mannlehen und Gülten ausgestellt (D. Richenberg 1402 ipsa die Andree apostoli; 30. Nov.).
1410   Lorenz Grans von Heppenheft erhält von Graf Johann von Katzenelnbogen getreuer Dienste wegen 2 fl. jährlich zu Martini von Reichenberg, wofür er dort Burgmann sein soll.
1410-1413   Kauwertzan ist Kellner zu Reichenberg. Er wird als Zeuge genannt bei einem Tausch von Hörigen zwischen Philipp von Gerolstein und dem Grafen Johann von Katzenelnbogen.
1419   Erzbischof Otto von Trier belehnt den Grafen Johann IV von Katzenelnbogen mit dem Schloss Reichenberg und Zubehör, mit Bornich, St. Goarshausen, Patersberg und Offenthal.
1425   Helle Smeitze von Reichenberg hat in Patersberg einen Weinberg. Wegen Zinsversäumnis wird er ihm von den Schöffen aberkannt. Durch das Kloster Eberbach wird er an Klaus Magermann zu Husen (sentegewershusen) in Erbbestand gegeben.
1425
   Ausführliche Abrechnungen des Reichenberger Kellners, Heinz von Ackerbach, über seine Einnahmen und Ausgaben an Frucht, Geld, Wein und sonstige Naturalien. Sie lassen auch einen Rückschluss zu auf notwendigen Kellerraum und Lagerraum, um die aufgeführten Mengen im Schloss zu speichern.

Einnahmen
Ausgaben
Waren Menge Teilmenge Erläuterung
Einnahmen an Korn 361½ Ml. 4 Sm. (ca.960 Zentner)
  an Weizen 17 Ml. 3 Sm.  
  an Hafer 239 Ml. 1 Sm.  
  an Wein 55 Fd.    
  an Geld 63 fl. 6½ alb.  
Ausgaben an Korn 309 Ml. 1 Sm.  
  an Hafer 184 Ml. 2 Sm.  
  an Wein 18½ Fd.    
  an Geld 49 fl. 2 alb.  
  (1 Malter = 158,13 l     ca. 132,5 kg)    

Einnahmen und Ausgaben beziehen sich auf Hörige und Lehen vieler Orte im Umkreis. Mit den Ausgaben werden Dienste, Handwerkerrechnungen, Anschaffung von Geräten, Ankauf von Vieh und dgl. beglichen.
Selbst die Kosten für den Aufenthalt der gräflichen Familie oder sonstiger Personen, Jäger, Hundeführer, Waidleute, werden genauestens festgehalten. Nicht so ohne weiteres denkt man dabei z.B. an Ausgaben für das Eichen der Fässer, Unkosten für das Unterbringen von Henkersknechten im Wirtshaus von Reichenberg, Bezahlung von Wagenknechten, welche die Gräfin nach Ems zum Bade fahren.
Als die gräfliche Familie im Juni 1425 auf ihrer Burg weilt, verbraucht sie 1 Fd. (ca. 1.000 l) Wein!!
1427   Konrad Letsche ist bis 1455 Kellner auf Burg Reichenberg.
1432   Die Zollschreiberei/Rheinfels vermerkt für Reichenberg verschiedene Ausgaben. So unter anderem:

Mengenangabe Verwendung
16 alb. und 2 kelber, als myn junger jungher zu Richenberg waz und vor yse nit uber Ryn kommen mochte. Scolastice virginis (10. Februar)
1 fl. 6 alb. und zwei kelber, als die herschaft dar qwam von Eymtze (Ems) uß dem bade (2. Juli)
6 fl. umb 2 kuwe, als myn bede junghern zu Richenberg gewest sint und die perde da stunden 5 wochen.

1434   Die Abrechnung des Reichenberger Kellners weist für dieses Jahr aus:

Einnahmen
Ausgaben
Waren Menge Teilmenge Erläuterung
Einnahmen an Korn 347 Ml. 7½ Sm. (Pachtkorn, Zehntkorn, Korngülte, ständige Korngülte aus den Mühlen)
  an Hafer 245 Ml. 3½ Sm. 1 Sester
(Pachthafer, Zehnthafer, ständige Hafergülte)
  an Weizen 22½ Ml. 3 Sm.  
  an Wein 5 Fd.   davon 1 Fd. zu Reichenberg gewachsen
  an Bier 3½ Fd. 2 Ohm  
  an Geld 82½ fl. 14 alb.  
Ausgaben an Korn 621½ Ml. 2½ Sm.  
  an Hafer 70 Ml. 2 Sm.  
  an Weizen 22 Ml. 3 Sm.  
  an Geld 71½ fl. 10½ alb.  

Entlohnung in Form von Naturalien erhalten:

Mengenangabe Verwendung
6 Ml.Korn dem Turmknecht Dumen und
4 Ml. dem Turmknecht Henne Husen auf seinen Lohn
6 Sm. für die Weinlese
2½ Ml. für Borte (Bretter) und Nägel und andere Kosten in der Mühle zu Reichenberg, von dem bederich zu machen
3 Ml. für den Zaun um den Reichenberger Kirchgarten zu machen
2 Ml. dem Glaser (gleesser) von eyme fynster!!
1 Ml. Gilman und Henne Bruntzel als Wächterlohn
2 Ml. dem Küfer Kunz für seine Dienste während des Jahres
2 Ml. dem Bäcker zu Reichenberg und einen Rock
1 Ml. dem Kuhhirten zu Reichenberg
2 Ml. dem Schmied zu Reichenberg für das Hufbeschlagen der gräflichen Pferde
1 Ml. Wächterlohn für die Tore im Ort (von den porten yn dem dail zu Richenberg)

Ausgabe an Korn, das zu Reichenberg gegessen wurde:

Mengenangabe Verwendung
24 Ml. erhält der Kellner des Schlosses wegen
16 Ml. haben die Freunde des Grafen, die Holz- und Dienstwagenführer und andere verzehrt
2 Ml. Brot, als die Wiesen gemäht, das Gras gespreitet und das Heu gemacht wurde mit den Hörigen (luden)
1½ Ml. Brot kam zu Schafschur im Mai in die Schäfereien zu Reichenberg, Lierschied und Patersberg
2 Ml. für die Mistfahrer
1 Ml. erhielt der Knabe Lenz, der zu Reichenberg den Mist mit den Pferden von Michaelis bis Ostern herausführte
2½ Ml. dem Schäfer zu Reichenberg

Die Ausgabe von Hafer geschieht vornehmlich an Amtleute, Diener, Knechte, Landschreiber und andere Personen zur Versorgung ihrer Pferde oder Zugtiere, so unter anderem auch an die Waidleute Geiß, Stubaß und Wynbudel als der Graf von Ostern bis Himmelfahrt hier weilte, oder als Geiß und Kreuz die Blaufüße (Falken) suchten.

Ausgaben an Geld:
für Wachs in den Reichenberger Kapellen
für Henne Römer, als er einen Pfau (phaen) nach Darmstadt trägt!! u.a.

1435    verzeichnet der St. Goarer Zollschreiber Siegfried von Gelnhausen umfangreiche Ausgaben für:

Name Arbeitsleistung
Susenhenne 162 tage
Kunenhenne 156 tage
Kriebelstirn 146 tage
Romershenne 160 tage
Brunczelhenn 156 tage
Peter Romer 158 tage
Jorgenhennen 160 tage
Gillman 161 tage
Snyders Heintze 159 tage
Muselern 51 tage
Romer dem alten 25½ tage

Dies sind alles Reichenberger Handwerker aus dem Dorf, die auswärtigen Arbeiter und Handwerker werden jeweils mit dem Ort, aus dem sie kommen, genannt.
Außerdem werden als Lohn für die Arbeiten in den Weingärten (wingarten) 11 fl. 15 alb. verrechnet.
Dem Gesinde zu Reichenberg werden von einer Weihnachten zur anderen gezahlt:

Betrag Empfänger
4 fl. dem kelner,
22 fl. den zweyn thornknechten,
8 fl. den zwein knechten uff der smytten,
5 fl. Heintzen dem knecht,
5 fl. der medde,
4 fl. dem portner

In den folgenden Jahren werden für Arbeiten in daz werck (Baustelle) Richenberg Rechnungen in ähnlicher Höhe für Reichenberger Arbeiter zur Auszahlung angewiesen. Die Ausgaben sind natürlich wesentlich größer, wenn man die Ausgaben für Arbeiter anderer Dörfer hinzurechnet.
1437   Abrechnung des Reichenberger Kellners Konrad Letsche über seine Einnahmen und Ausgaben an Frucht, Wein und Geld im Jahre 1437 (auszugsweise):

Einnahmen
Ausgaben
Waren Menge Teilmenge 1 Teilmenge 2 Erläuterung
Einnahmen an Korn 262 Ml.     (Zehntkorn, ständige Korngülte, Mühlenkorn)
  an Hafer 213 Ml. 1 Sm.    
  an Weizen 26½ Ml. 3 Sm. 1 Dl.(?)  
  an Geld 21 fl. 8½ alb. 3 h.  
  an Wein 1 Ohm     ist dieses Jahr zu Reichenberg gewachsen!

Die Einnahmen an Korn einmal anders aufgesplittet ergibt folgende Zahlen: Von den nach Reichenberg gehörenden Höfen

Ort Menge Teilmenge 1 Erläuterung
in Kasdorf 4 Ml. 6 Sm.  
in Ruppertshofen 6 Ml. 6 Sm. Klüppels Hof
  8 Ml. 7 Sm. Hintzen Hof
in Ölsberg 4 Ml.    
in Bogel 3 Ml.    
in Auel 9 Ml.    
in Reichenberg 7 Ml.    
in Wallmenach 8 Ml.    
in Bornich 6 Ml.   Hans' Hof
  7 Ml.   Eberhards Hof
in Weyer 15 Ml.   von der alten Hoffrau
in Patersberg 13 Ml.    
Zehntkorn fiel an:      
zu Offenthal und Wallmenach 18 Ml.    
zu Bornich 12 Ml.    
zu Auel 3½ Ml.    
Korngülte insgesamt 86 Ml. 1½ Sm.  

Von den Schultheißen zu Wallmenach, Reitzenhain, Ruppertshofen, Himmighofen, Diethardt, Winterwerb, Lierschied, Zorn, Ölsberg, Bornich, Buch, Nastätten,
von den Höfen: Slynkenhof zu Bornich, vom Hofe des Mondis Hentze zu Reitzenhain, von Henne Kielmann von Kasdorf, von Henne Vogt von Bornich, von Henne Ransel von Bornich, von Foysen von Bornich, von Heinz Wagenknecht zu Nastätten, vom alten Wiegand (Offenthal), vom Helgenhof (Offenthal), vom Hof des Henne Mohr (Offenthal)

Menge Erklärung
Mühlenkorn:
15 Ml. von der Mühle zu Reichenberg
16 Ml. von der Mühle zu Bornich
9 Ml. von der Lumpenmühle
2 Ml. von der Mückenschweiß' Mühle zu Nastätten
6 Sm. von der Zippenmühle
1½ Ml. von der Sylen Mühle zu Lierschied
Ausgabe an Korn (auszugsweise):
6 Ml. für den Kaplan zu Reichenberg für die Kapelle
½ Ml. für den Scherer (Haarschneider) zu St. Goar, das Gesinde zu Reichenberg zu scheren
½ Ml. den zwei Pförtnern im Ort (yn dem dail)
1Ml. dem Schmied zu Reichenberg für das Beschlagen der Pferde und Reparaturen an der Brücke (Zugbrücke)
57 Ml. sind zu Reichenberg (Burg) gegessen worden
Ausgabe an Hafer (auszugsweise):
19 Ml. verbrauchten 150 Schweine während 18 Tage im November
16 Ml. verbrauchte das Pferd des Kellners
Ausgabe an Geld (auszugsweise):
4½ alb. 166 Eier für die Herrschaft zu Weihnachten
15 fl. ein Pferd, das Durchdenwald zu Rheinfels erhielt

Lohn für den Zimmermann Hans Nebiger u.a. für das Ausbessern des Kelterhauses zu Reichenberg und Reparaturen an der Brücke.

Empfänger Lohn
Reichenberg:
Lohn für in daz wercke zu Richenberg 139fl. 9 alb. 2 h.
Klotzere, werckmeister 172 tage
Brands Henne 160 tage

1437   Erzbischof Raban von Trier gibt Graf Johann von Katzenelnbogen Feste und Schloss Reichenberg mit Zubehör als Lehen.
1438   Wilhelm von Bolland, Herr zu Rolleye, erhält als Vormund der Kinder seiner Schwägerin ein Burglehen zu Reichenberg mit jährlich zu Martini 10 Pfd. Geld, die für 100 Pfd. vom Grafen Johann von Katzenelnbogen rückkäuflich sind, wofür sie Burgmannen zu Reichenberg sind.

Jahr Personen/Begebenheit
1445 Wilhelm von Boland, Herr zu Rolleye
  Friedrich von Brandenburg, Herr zu Clerf
  Johann von Burtscheid, Herr zu Esch
bekunden, dass bei der Teilung der Güter Gottfried von Esch als Miterbe seinen Anteil von 10 Pfd., die sie zu Reichenberg als Lehen von dem Grafen von Katzenelnbogen besitzen, erhalten hat.
1445   Erzbischof Jakob von Trier belehnt Graf Philipp von Katzenelnbogen mit dem Schloß Reichenberg mit Zubehör, mit Bornich, St. Goarshausen, Patersberg und Offenthal.
1445   Adam von Allendorf erhält von Graf Philipp von Katzenelnbogen u.a. folgendes Burg- und Mannlehen: 4 Mk. jährlich zu Weihnachten vom Zoll zu St. Goar und ein Haus im Ort St. Goarshausen bei der Mauer als Reichenberger Burglehen.

1447   Gottfried fordert die ihm von Reichenberg zustehende Pfründe. Der Graf will sie gewähren, wenn eine entsprechende Urkunde vorgelegt wird.
1447   Von Reichenberg aus schreibt Graf Philipp von Katzenelnbogen an den Erzbischof Dietrich von Mainz und bittet ihn, 50 Zfd. Wein zollfrei durch den Lahnsteiner Zoll passieren zu lassen, um damit seine Schlösser zu versorgen.
1448   Gottfried, Herr zu Esch und Ludwig Zandt, Vogt in Hamm bekunden die Beede von Reichenberg. Die 10 Pfd. Reichenberger Burglehen sind mit 100 Pfd. jederzeit ablösbar.
In den Jahren 1448 bis 1453 werden auf Richenberg immer wieder Briefe geschrieben, Urkunden erstellt oder Nachrichten empfangen, ein Indiz für den häufigen Aufenthalt des Grafen Philipp auf seinem Schloss Reichenberg.
1450   Der Graf schreibt an den Bürgermeister im Rat der Stadt Frankfurt, dass er ihm Christian Ganz mit einem Auftrag zuschicke.
1451   Der nassauische Kellner zu Hadamar und Ellar, Gilbrecht, schickt den Boten Henne Graylshoben mit einem Brief von Ellar nach Reichenberg an den Grafen Philipp von Katzenelnbogen.
1451   Der Junggraf Philipp (gest. 1453) von Katzenelnbogen sendet einen Boten zu Kuno, Herr von Westerburg und Schaumburg, mit einer Schätzung des Westerburger Silbers und ist bereit, ihm dasselbe abzukaufen (Wert = 1.200 fl.). Genaue Auflistung aller Gold- und Silbergeräte sowie Edelsteinen und Perlen.

1453   Die Abrechnungen des Reichenberger Kellners für das Jahr 1453:

Einnahmen
Ausgaben
Waren Menge Teilmenge Erläuterung
Einnahmen an Korn 217 Ml. 3 Sm.  
  an Weizen 37 Ml. weniger 3 Sm. ( Preis für Weizen:1 Ml. = 1fl.)
  an Hafer 195 Ml. weniger 1 Dl.  
  an Wein 6 Fd. davon sind dem Grafen zu Reichenberg 2 Fd. gewachsen
  an Geld 36 fl. 17½ alb.  
Ausgaben an Korn 66 Ml. 2 Sm.  
  an Hafer 54 Ml. 4 Sm. 8 Sester
  an Wein 6 Fd.    
  an Geld 108 fl. 12½ alb. 8 h.

Die ausführlichen Angaben über Auslagen verschiedenster Art lassen auf ein Jahr voller Betriebssamkeit auf dem Schloss schließen. Nicht nur die gräfliche Familie weilt des öfteren hier, auch viele Freunde, Bekannte und Jagdgesellschaften sind zu Gast.
Der Graf ist am 17. April mit dem Junker Bernhard von Solms mit 40 Pferden, am 7. Mai mit 10 Pferden anwesend.
Am 9. August ist Junker Kuno von Westerburg und seine Frau anwesend mit 16 Pferden.
Der Graf ist am 30. und 31. August mit 9 Pferden im Schloss, der Jäger Kreuz bleibt bis zum 2. September.
Am 23. September hat der Graf den Herrn Daniel von Mudershausen und Junker Kuno von Reifenberg mit 18 Pferden zu Gast.
Am 25. September trifft der Waidmann Henne mit den Hunden ein. Am 27. September erscheinen noch Klaus Koch, Kochel, Johann, Wolf, Peter, Henne und Kompe, um mit dem Grafen zu jagen.

Erneut ist der Graf
am 10. Oktober mit 22 Pferden,
am 20. Oktober mit 31 Pferden,
am 24. und 25. Oktober mit 17 Pferden auf der Burg.

Am 6. Dezember erscheint der Graf in Begleitung der Gräfin. Zusammen mit Jagdfreunden, Jägern und Treibern geht es zur Schweinshatz in die Weiseler Wälder. Das gleiche wiederholt sich vom 10. bis 12. Januar.
Vom 18. bis 20. Januar ist der Graf mit Gefolge auf Reichenberg und reitet von hier nach Gronau.
Graf und Gräfin reisen am 2. April mit 26 Pferden und 4 Wagenpferden an und nochmals am 25. April.
Der Marstall (heute im Volksmund fälschlich als Rittersaal bezeichnet) reicht oft nicht aus, um alle Pferde unterzubringen, aber die umfangreichen Stallungen und Scheunen (auf der heute so genannten Scheuerwiese) bieten noch genügend Raum.
Interessante Ausgaben werden getätigt (auszugsweise), als der Amtmann von Hohenstein, der Schultheiß von Nastätten und der Büttel von Kemel nach Reichenberg kommen und letzterer den Henker von Mainz mitbringt, als Clebiiß die ungarischen (ungerschen) Pferde bringt.

Menge Masseinheit Grund
Bemerkung
Ferner werden Ausgaben gebucht:
alb. für die Seile zur Uhr (zu der uwern),
1 fl. für den Mönch von Arnstein, als er den Born fasst (leit).
Weitere Ausgaben sind angeführt für das Mähen der Wiesen zu Reichenberg, Ruppertshofen, Kasdorf, Himmighofen, Nastätten, Schottenau, Bettenroit und Wallmenach. Insgesamt werden für die Arbeitskräfte 3½ Ml. Korn verbacken und gegessen.
½ Ml. Korn für das Beschließen der zwei Pforten im Orte Reichenberg
Ml. Korn an Schäferlohn dem Reichenberger Schäfer
6 Ml. Korn Korn dem Kaplan zu Reichenberg
1 fl. für Wachs in die Kapelle auf der Burg und im Ort

1457   Graf Philipp der Ältere von Katzenelnbogen bekundet, dass er am heutigen Tag (9. September) von Erzbischof Johann, Erwähltem und Bestätigtem zu Trier, das Schloss Reichenberg mit Zubehör, Bornich, St. Goarshausen, Patersberg und Offenthal als Lehen empfangen hat.
1463   Heinrich von Reichenberg, genannt Schultheiß, bekundet, dass er als Diener des Grafen Philipp von Katzenelnbogen seinen Jahreslohn von 7 fl. und für ein im Dienste des Grafen verlorengegangenes Pferd 24 fl. erhalten hat. 12 fl. hat der Graf selbst gegeben, die übrigen 19 fl. hat ihm Junker Thiele, Vogt in Klingelbach, gegeben.
1479   Abrechnung des Kellners Klaus Kochel zu Reichenberg über Einnahmen und Ausgaben an Geld, Frucht, Wein, Geflügel und Lämmern im Jahre 1479 (Juni) bis 1480 (Juni).

Einnahmen
Ausgaben
Bezeichnung Menge 1 Menge 2 Menge 3 Grund
Bemerkung
Es ist dies eine umfangreiche und auch etwas anders aufgeschlüsselte Abrechnung, die das weitverzweigte Gebiet mit den größeren und kleineren Besitzungen und Einnahmequellen aufzeigt, die den Katzenelnbogenern zu Reichenberg als Lehen zustehen. Eine Auswahl dieser Aufzeichnungen:
Einnahmen an Geld 246 fl. 2½ alb. 3 h.  
  an Geldgülte 42 fl. 6½ alb.    
  an Geld für Verschiedenes 113 fl. 18 alb. 9 h.  
  (Leibesbeede, vom Heuzehnten, für Wolle, für Wein)
  an Geld für verkaufte Frucht 190 fl. 4 alb.    
Gesamtausgaben an Geld 240 fl. 8 alb.    
Ausgabe an Geld für Gesindelohn 77 fl. 11 alb.    
(u.a. erstmals Lohn für zwei Wächter in der Mühle, Fleisch und Küchenspeise für den Kellner und das Gesinde, für den Kaplan zu Reichenberg, Hausknecht und Pförtner)
Ausgabe an Geld für Verschiedenes 136 fl. 9 alb.    
Bezeichnung Verwendung
Lohn für 22 Frauen, welche die Schafe geschoren haben;
für zwei Dachdecker, die an 6 Tagen Kornhäuser und Scheunen gedeckt haben;
für den Harnischfeger von Mainz, der des Grafen Philipp Turnierzeug (thornes geschuck) instand gesetzt hat;
für 2 Maurer, die an der Brücke 2 Mauerstücke ausbesserten (deye kracz wider zu bauwen);
für 2 Zimmerleute 28 Tage lang, welche die hespel auf der Mauer und die Dielen auf der Brücke gemacht haben;
für 2 Drescher an 40 Tagen, welche den Zehnten zu Wallmenach, Offenthal und Auel gedroschen haben;
Unkostenerstattung für den Wirt von Reichenberg, als der Henker mit seinen Knechten im Wirtshaus einkehrte.
Einnahmen
Ausgaben
Bezeichnung Menge 1 Menge 2
Ausgabe an Geld für Imbisse: 636 Imbisse, 1 alb. pro Imbiss
  = 26 fl. 12 alb.
Die Aufstellung der Unkosten für Imbisse wird erst nach dem Tode des letzten Katzenelnbogener Grafen vorgenommen. Überhaupt sind die Abrechnungen bis hin zu jedem einzelnen Imbiss genau aufgeführt. Sind es Anweisungen des neuen Herrn, des Landgrafen Heinrich von Hessen?
Anzahl Beschreibung
77 Imbisse    haben Junker Sittich von Berlepsch und seine Knechte und sein Knabe gehabt während 12 Tagen, als der Landgraf Heinrich von Hessen seine neuen Besitzungen besichtigt hat.
112 Imbisse    haben Junker Johann von Schönborn und seine Knechte gehabt, die 4 Wochen lang nach Junker Sittich auf der Burg blieben.
140 Imbisse    für zwei Knechte mit Armbrüsten, die vier Wochen lang nachts gewacht haben und tagsüber auf dem Schloss blieben.
74 Imbisse    für einen Knecht aus Bornich, welcher 5 Wochen lang vom 29. Sept.-1. Nov. nachtsüber gewacht hat und tagsüber auf dem Schloss geblieben ist.
Zu keiner Zeit der katzenelnbogener Grafen wird Wachdienst in solchem Umfang geleistet. Um bei den anstehenden Erbstreitigkeiten das Erbe gegen fremde Ansprüche zu sichern, mussten 1479 die Gemeinden Bornich, Lierschied und Nochern wochenlang nachts Reichenberg bewachen und manchmal auch zur Tagwache dort bleiben.
10 Imbisse    für den Hohensteiner Amtmann, Landschreiber, Wagenmeister und zwei Schöffen zu Nastätten, als man den Dieb folterte und hängte. Der Dieb hat 11 Wochen und 2 Tage im Turm gesessen, die Vergütung hierfür stellt er dem Landgrafen in Rechnung.
Einnahmen
Ausgaben
Bezeichnung Menge 1 Menge 2
Einnahme an Wein 10 fd. 1½ Ohm
  aus dem Reichenberger
und Lierschieder Berg
5½ fd.  
  aus dem neuangelegten Weinberg 1 fd. 3 Ohm
Einnahmen
Ausgaben
Bezeichnung Menge 1 Menge 2
Ausgabe an Wein 6½ fd. 8 Vt.  
4 Vt. im März 1479 als der Graf Philipp von Katzenelnbogen in Begleitung von 27 Personen von Reichenberg nach Hohenstein reitet.
1½ Ohm sind getrunken worden, als die Gemeinden Bornich, Nochern und Lierschied 5 Wochen lang zur Nachtwache nach Reichenberg kamen.
8 Vt. als dieselben Gemeinden den neuen Weinberg eingerichtet haben (gesneden, gestickt, gegraben und gebunden).
Einnahmen
Ausgaben
Bezeichnung Menge 1 Menge 2
Einnahme an Korn von den Mühlen 53 Ml. 6 Sm.
(Reichenberg, Bornich, Lierschied, von der im Schwall, von Reßeler, von einem Mühlchen daselbst, von Thornsmühle, von der Mühle unterhalb Diethards)
Einnahmen an Zehntkorn 67 Ml. 1 Sm.
vom Zehntanteil des Grafen zu Bornich 29 Ml. 6 Sm.
  zu Wallmenach 22 Ml. 3 Sm.
  zu Offenthal 8 Ml. 6 Sm.
  zu Auel 6 Ml. 2 Sm.
Pachtkorn von den Höfen 72Ml. 2 Sm.
vom gräflichen Anteil an dem Stück zu Reichenberg 16 Ml. 2 Sm.
vom Hof zu Offenthal 12 Ml.  
vom Hof zu Auel 7 Ml.  
vom Hof zu Weyer 10 Ml.  
vom Hof zu Kasdorf 10 Ml.  
von Frank zu Ruppertshofen 9 Ml.
von Anthonius zu Ruppertshofen 8 Ml.  
Einnahme an ständiger Korngülte 142 Ml. 3½ Sm.
Ausgabe an Korn 288 Ml. 7 Sm.
darunter an den Kellner und das Gesinde zu Reichenberg für Brot 32 Ml.  
an den Kaplan zu Reichenberg 10 Ml.  
an den Kaplan auf Neukatzenelnbogen 5 Ml.  
an den Burggrafen auf Katzenelnbogen 5 Ml.  
das Beschließen der zwei Pforten im Ort ½ Ml.  
den Stiftsherrn zu St. Goar für die Armen 2 Ml.  
Unserer lieben Frauen Brüder zu Koblenz, damit sie für die Herrschaft beten   2 Sm.
hat Graf Philipp den Nonnen von Schönau gegeben, damit sie für die Herrschaft beten 2 Ml.  
den beiden Knechten von Bornich, die 14 Tage lang nachts auf dem Schlosse gewacht und tags die Tore gehütet haben, als Junker Sittich und Johann von Schönborn da lagen 1 Ml.  
Einnahme an Weizen 48 Ml. 6 Sm.
(von den bereits oben genannten Dörfern, Höfen und Hofmannen)
Gesamtsumme der Hafereinnahme 224 Ml. 1½ Sm.
Vom Zehnten und der Hofpacht 83 Ml. 2 Sm.
An ständiger Hafergülte 140 Ml. 7½ Sm.
(von den bereits erwähnten Dörfern, Höfen, Hofmännern)
Ausgabe an Hafer 53 Ml. 5 Sm.
Einnahmen an Gänsen 16 Stück  
  an Lämmern 35 Stück
und die Zehntlämmer von Nastätten
  an Hühnern 33 Stück  
Ein Teil davon ist nach Ems ins Bad gekommen, als der Landgraf dort war.
Da die Kellereiabrechnungen nicht dem Kalenderjahr entsprechen, sondern wie in früheren Jahren bis in den April des nächsten Jahres gehen, werden durch den Kellner auch bereits Kosten gebucht, die unter dem neuen Besitzer der Grafschaft, und damit auch Reichenberg, dem Landgrafen Heinrich von Hessen entstehen. Auffällig sind die Auslagen sowohl an Naturalien als auch an Geld für Wachdienste rund um die Uhr.

5. Juli 1479   Auf Bitte Graf Philipps von Katzenelnbogen belehnt Erzbischof Johann von Trier den Landgrafen Heinrich von Hessen, als Ehegemahl seiner Tochter Anna, mit Reichenberg samt Zubehör, Bornich, St. Goarshausen, Patersberg, Offenthal mit Zubehör. Der Landgraf soll dieses Lehen innehaben und dem Trierer Stift verpflichtet sein, wie er es in seiner Lehnshuldigung beeidet hat.
28. Juli 1479   Siebenundsiebzigjährig stirbt der letzte Graf zu Katzenelnbogen, Philipp der Ältere, ohne männlichen Nachkommen. Beide Söhne starben vor dem Vater. Begraben ist er in der Familiengrabstätte im Kloster Eberbach bei Erbach.
Das Archivmaterial zum Katzenelnbogener Grafengeschlecht ist nach dessen Erlöschen in der männlichen Nachfolge 1479 in verschiedene Aufbewahrungsorte gelangt, hauptsächlich nach Darmstadt, Marburg, Kassel und Wiesbaden.

Postkarte mit einem Bild der Burg Reichenberg um 1900, auf der Vorderseite beschrieben mit einem GeburtstagsgrußBurg Reichenberg auf einer Postkarte um 1900


       Schwert und Pflug

Einst war ein Graf, so geht die Mär,
der fühlte, dass er sterbe;
die beiden Söhne rief er her,
zu teilen Hab und Erbe.

Nach einem Pflug, nach einem Schwert
rief da der alte Degen;
das brachten ihm die Söhne wert,
da gab er seinen Segen:

"Mein erster Sohn, mein stärkster Sproß,
du sollst das Schwert behalten,
der Berge mit dem stolzen Schloß
und aller Ehren walten.

Doch dir, nicht minder liebes Kind,
dir sei der Pflug gegeben:
im Tal, wo stille Hütten sind,
dort magst du friedlich leben."

So starb der lebensmüde Greis,
als er sein Gut vergeben;
die Söhne hielten das Geheiß
treu durch das ganze Leben.

Doch sprecht, was ward denn aus dem Stahl,
dem Schlosse und dem Krieger?
Was ward denn aus dem stillen Tal?
Was aus dem schwächern Pflüger?

O fragt nicht nach der Sage Ziel!
Euch kündens rings die Gauen:
Der Berg ist wüst, das Schloß zerfiel,
das Schwert ist längst zerhauen.

Doch liegt das Tal voll Herrlichkeit
im lichten Sonnenschimmer;
da wächst und reift es weit und breit;
man ehrt den Pflug noch immer.

        Wolfgang Müller von Königswinter

Das Katzenelnbogener Wappen

Eine Darstellung in Stein gehauen, mannshoch aus dem 14. Jahrhundert, befindet sich im Museum auf Schloss Rheinfels. Es war ursprünglich über dem Tor zur Kernburg angebracht.
In Gold ein blau gekrönter und bewehrter herschauender roter Löwe (Katzenelnbogen). Er ist Teil des Reichenberger Dorfwappens. Der Stein wurde nach 1479 in hessische Symbolik umgeändert.
In Blau ein herschauender goldgekrönter siebenmal von Silber und Rot geteilter Löwe (Hessen).

Zur Bedeutung der Katzenelnbogener Grafen

Karl E. Demandt, der wohl beste Kenner des Katzenelnbogener Grafenhauses, fasst seine umfangreichen Kenntnisse und wissenschaftlichen Forschungen über die herausragende Stellung des Katzenelnbogener Grafengeschlechts in fünf Punkten zusammen. Er misst seine Bedeutung:

1. an seiner Reichsposition seit der Staufischen Zeit,
2. an den Orientfahrten der Grafen,
3. an der Territorialpolitk und ihrem Burgenbau,
4. an ihren Wirtschaftsformen und ihrem Reichtum und
5. an der Kultur des Katzenelnbogener Hofes.
 

Auch der mittelalterliche Sänger Walther von der Vogelweide war Gast am Hofe und zufrieden mit seinem Gönner, wenn er dichtet:

Dem Bogener, dem bin ich hold,
Auch ohne Gabe, ohne Sold,
Er ist mild, wenn ich auch nichts kann haschen,
So füllt er Polen, Reußen doch die Taschen.
Darüber will ich ihm nicht zürnen sehr.
Ihn macht ein Meister mehr bekannt
Als tausend Schwätzer in dem Land,
Belohnt er höf'sche Meister mehr.
Den edlen Stein, den Diamant,
Gab mir des schönsten Ritters Hand:
Ja, ohne Bitte ward die Gabe mein.
Ich lobe nicht die Schönheit nach dem Schein:
Wer milde gibt, ist schön und wohlgezogen.
Nach außen innere Tugend kehre,
So dient das äußre Lob zur Ehre
Wie dem von K a t z e n e l n b o g e n.