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Geschichte der Burg in Form einer Zeitleiste

Unter Hessischer Herrschaft 1479-1806

1479   Landgraf Heinrich von Hessen ist neuer Herr auch zu Reichenberg. Reichenberg dient als Stützpunkt zur Sicherung des Gebietes gegen fremde Ansprüche, wie sie bei Erbauseinandersetzungen bei den weitverbreiteten Verwandtschaftsbeziehungen des Grafenhauses gestellt werden. Das von Hessen neuerworbene Gebiet der Niedergrafschaft wird von Amtmännern verwaltet. Reichenberg wird Sitz eines Oberamtmannes. Unter wechselnden Besitzverhältnissen bleibt dieses Amt Reichenberg bis 1806 bestehen.
1480   Im Marburger Archiv gibt es eine Übersicht aus diesem Jahr, worin die Ämter der Niedergrafschaft verzeichnet sind: Hohenstein, Burgschwalbach und Reichenberg. Sie stimmen in etwa mit den Kellereibezirken überein. Nachdem aber kurze Zeit später auch ein Amt Neukatzenelnbogen eingerichtet wird, gehören z.B. Bornich und Patersberg nicht mehr zu Reichenberg (1492).
1529   Protokollierte Erbfolgestreitigkeiten, wobei Zeugen aus Reichenberg u.a. aussagen, dass Hessen Amtmänner auf ihrer Burg gehabt hat. Es folgen fortwährende Veränderungen in den Aufteilungen der Amtsbezirke und Zuordnungen der Dörfer.
1534   Landgraf Philipp von Hessen will Schloss, Thal und Amt an Dietrich vom Stein, Amtmann zu Molsberg, auf Wiederkauf verkaufen mit allen Herrlichkeiten (Vogteien, Wildbann, Fischerei, Zinsen, Kirchsätzen, Höfen, Beden, Steuern, Korngülten, Weizengülten, Pfenniggülten, Gerichten, Äckern, Wiesen, Wäldern, Wasser und Weiden). Mit dem nicht genannten, möglichen Erlös will er einen Feldzug gegen Württemberg teilweise finanzieren. Dietrich fehlen aber die nötigen Mittel, und so kommt der Verkauf von Reichenberg nicht zustande.
1536   Im Mann- und Dienerbuch Philipps des Großmütigen werden zum Amt Reichenberg als zugehörig aufgeführt:
Lautert, Ober- und Niederwallmenach, Reitzenhain, Auel,
Nochern, Weyer, Ruppertshofen, Bogel, Himmighofen,
Pissighofen, Pohl, Bettendorf, Lollschied,
Ober- und Niedertiefenbach, Nastätten, Ölsberg und Buch

1590   Diese Jahreszahl befindet sich in Patersberg auf einer roten Sandsteinplatte im Inneren des Kirchenschiffes an der Wand des Glockenturms. Es ist die Grabplatte des Reichenberger Amtskellners (Hessischer Rentmeister) Reinhard Wiederholt, der von 1579-1590 auf Schloss Reichenberg seinen Dienst versah und auf dem alten Friedhof bei der Patersberger Kirche neben dem Turm begraben liegt.
Aus dem 16. Jahrhundert führt Demandt verschiedene Rüstungsregister an, nach denen Reichenberg mit Nürnberger Hackenbuchsen, Stelbuchsen, Kisten voll Hackenpfeilen, Pfeilen, Pulver, Armbrüsten, Büchsen, Blei ausgerüstet war. Jahre später führt er eine eiserne Steinbüchse mit 3 Kammern, einen kleinen Mörser, Stielbüchsen aus Eisen und Kupfer an.

Kupferstich der Burg Reichenberg von Mathias Merian 1648. Ansicht von Süden (nach Dilich)Kupferstich von Mathias Merian 1648. Ansicht von Süden (nach Dilich)


1606
   Auftragsweise fertigt Wilhelm Schäfer, genannt Dilich, für den Landgrafen Moritz von Hessen Zeichnungen der Burganlage Reichenbergs an. Die Originale der sechs erhaltenen Blätter werden in der Kasseler Landesbibliothek aufbewahrt. Sie bilden heute, als älteste Darstellung der Burg, die Grundlage aller Erkenntnisse über das Gemäuer der Burganlage.
1614   Grenzbeschreibung des Amtes Reichenberg (s. Amt Reichenberg).
1618/19   Auf Veranlassung des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel besichtigt der holländische Ingenieur Christian Janson die Festungen und Burgen der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Er veranlasst die nötigen Verteidigungsmaßnahmen auf Reichenberg.
1618-1648    Die Burg Reichenberg wird während des dreißigjährigen Krieges als Zufluchtstätte nicht nur für die Einwohner Reichenbergs sondern auch von den Menschen der umliegenden Dörfer genutzt.

Kupferstich der Burg Reichenberg von Mathias Merian 1648. Ansicht von Westen (nach Dilich)Kupferstich von Mathias Merian 1648. Ansicht von Westen (nach Dilich)
Kupferstich der Burg Reichenberg von Mathias Merian 1648. Ansicht von Osten (nach Dilich)Kupferstich von Mathias Merian 1648. Ansicht von Osten (nach Dilich)


1626
   Moritz von Hessen-Kassel soll das Fürstentum Oberhessen mit Marburg nach einer Entscheidung des Reichshofrates zu Wien an Ludwig von Darmstadt abtreten, weil er die reformierte Kirche in seinen ererbten Landesteilen zu sehr begünstigt habe. Da sich der Landgraf Moritz von Hessen dieser Verfügung widersetzt, wird diese Auseinandersetzung kriegerisch angegangen. Unter der Leitung des Kurkölnischen Marschalls von Hövelich und den beiden Kommissaren Schrautenbach und Herlinghausen von Darmstadt, mit Hilfe des spanischen Generals Verdugo, wird die Grafschaft in Besitz genommen. Am 30. Juli erkennen die Beamten und Bewohner der Ämter Hohenstein, Reichenberg, Marburg und Katzenelnbogen die neue Herrschaft an. Die Rheinfels, verteidigt durch Oberst Johann von Uffeln, wird in sechswöchiger Belagerung durch den spanischen General Verdugo so zusammengeschossen, dass die tapferen Verteidiger kapitulieren müssen. Die Besatzung darf mit fliegenden Fahnen und Kugeln im Munde am 4. September über St. Goarshausen, Patersberg, (Reichenberg), Nastätten nach Oberhessen zurückkehren.

Reichenberg gehört fortan zum Herrschaftsgebiet des Landgrafen von Hessen-Darmstadt.

1636/37   Daniel Schmalkalden ist Amtmann auf Schloss Reichenberg. Der Miehlener Pfarrer Plebanus berichtet in seinem Tagebuch von Besuchen auf Reichenberg in dieser Zeit.
1639, den 10. und 13. Juli
... ist mir zu Reichenbergk von Herrn Ambtmann Schmalkalden viel Ehr, Gut und wolthat mit essen trincken und zwoer Nachtherberg erwiesen worden. Ist zugleich gute Vertröstung geschehen, dass mir die ausstehenden Fruchten zu Ruppertshofen und Castorf bey deser wiewol geringen Ernd söllen entrichtet werden.
den 4. November zu Reichenberg über nacht gelegen. Herr Ambtmann Schmalkalden zwar mir viel gutes erwiesen, aber wegen der Rupertshofer und Casdorfer arrestierter Fruchtschäden wider alle von vorigem und diesem Ambtmann mir gegebene Vertröstung nichts ausrichten können.
1647   Als nach 30 Jahren schrecklichem Krieg ein Frieden in Aussicht steht, beschließt die Landgräfin Amalie von Hessen-Kassel, die verloren gegangene Niedergrafschaft Katzenelnbogen mit Waffengewalt wieder für Hessen-Kassel zurückzuholen. Sie will ein Unterpfand, um bei den Friedensverhandlungen mitzureden. Sie nimmt den niederländischen Feldherrn Kaspar Cornelius Mortaigne von Portalis, reformierter Konfession, in ihre Dienste. Bei diesem erfolgreichen Kriegszug zur Eroberung ihrer ehemaligen Lande erscheint Feldherr Montaigne um den 17. Juni 1647 vor Reichenberg. In Bornich und Patersberg schlägt er sein Heerlager auf und belagert Burg Reichenberg. Während aller Kriegswirren war Reichenberg fast unversehrt geblieben und hatte immer wieder Zuflucht gewährt. Auf der Burg befehligt Oberstlieutenant Strupp von Gelnhausen. Erst nach langem Beschuss und Unterminierung der Ringmauer und nachdem große Sturmlücken geschossen sind, wird Reichenberg eingenommen.
Der Landgraf Georg von Darmstadt beschwert sich beim Kaiser über das Vorgehen der Landgräfin von Hessen-Kassel, jedoch vergebens, der Kaiser hat andere Sorgen. Bei der Belagerung und Einnahme von Rheinfels findet der Feldherr Montaigne den Tod.
Dieser Hessische Krieg (Hessen-Kassel gegen Hessen-Darmstadt) bringt durch Einquartierung und Durchzüge der Soldaten (oft 10.000 Mann) noch eimal Not und Elend in unsere Dörfer. Wieder berichtet der Miehlener Pfarrer Plebanus in seinem Tagebuch auch von Reichenberg:
... Obschon Rheinfels den 4. und 5. Juli durch Akkord übergangen ist, so dauert daselbst das Lager doch fort. Reichenberg liegt ganz wüste, nicht ein Mensch ist mehr darinnen, die Mauern eingerissen, die Pforten verbrant. ... Weiter schreibt er: Ist nun das Siebentemal, dass ich in diesem Jahr von den Kaiserlichen, Schwedischen, Weimarischen, Leopoldischen, Hessischen Völkern bin geplündert worden, habe jetzt kein Hemd mehr.
Not und Elend der Bevölkerung sind im Kapitel - Dorf Reichenberg - geschildert. 1647-1651   Instandsetzungsarbeiten an der Burg, sodass sie wieder als hessischer Oberamtssitz mit einer kleinen Invalidenbesatzung genutzt werden kann.
1649   Reichenberg ist im Besitz der Landgrafen von Hessen-Rothenburg.
1657   Der obere Teil des 'hohen Baus' (Schildmauer) wird abgetragen, niedergelegt und ein Dach neu aufgetragen, welches aber später abbrennt.
1674   Johann Brenner von Lahnstein ist Amtmann auf Reichenberg.
1692   Landgraf Carl von Hessen residiert unter der Oberhoheit von Hessen-Kassel auf Reichenberg und befehligt von hier die Belagerung der Rheinfels.
1722   Herr von Brenner ist landgräflicher Erbamtmann auf Reichenberg. Der Zerfall der Burg schreitet fort, die Herren auf der Burg nehmen ihre Rechte und Vorteile gerne wahr, kommen aber ihren Pflichten und der Verantwortung für die Burganlage nicht nach.
1727   Auf diese Jahreszahl ist das Fachwerkhaus datiert, das bis zum Jahre 1963 an der Südseite des Marstalles stand und von dem damaligen Besitzer der Burg unverständlicherweise abgebrannt wurde. Es hatte aus dem 1. Stock einen Zugang zum Marstall und dem Eckturm ('Nikodemus').
1748   Ein Teil der nach beiden Seiten treppenförmig aufsteigenden Mauern zwischen den beiden Türmen (Mauer über dem Zwerchbau) stürzt ein und zertrümmert die darunter liegende Amtsstube und andere Räumlichkeiten.
1754   Hessen-Rothenburg tritt das Besatzungsrecht an Hessen-Kassel ab. Kleinere Besatzungen, meist bestehend aus Invaliden, halten sich bis 1806.
1771  Rechtsstreit um die Erbamtmannschaft des Franz Moses von Brenner. Als er als letzter seines Geschlechts stirbt, ist der Rechtsstreit damit nicht zu Ende. Erst 1795 entscheidet das Reichskammergericht zu Ungunsten derer von Brenner. Das Amt wird fortan von einem hessischen Amtsverwalter versehen. Die Schlossländereien werden von Pächtern bewirtschaftet.
1805   Landgraf Emanuel von Hessen-Rothenburg belehnt einen Adeligen mit Reichenberg und gleichzeitiger Anwartschaft auf die Erbamtmannstelle. Doch in der Zwischenzeit hat sich die Gesellschaftsordnung, bedingt durch die französische Revolution, entschieden verändert. Die französische Besatzung lässt die Belehnung nicht zu.
Von 1806-1813   befindet sich auch das ehemalige Amt Reichenberg unter französische Verwaltung. Als Bestandteil der hessischen Niedergrafschaft auf der rechten Rheinseite wird es vom 20. November 1806 bis zum 1. November 1813 dem französischen Präfekten Pietsch vom Departement Donnersberg unterstellt, unter dem die alten Behörden zu Langenschwalbach weiterarbeiteten.
1813   Das obere Drittel des Südturmes stürzt ab. Die darunter liegenden Baulichkeiten werden stark beschädigt. Um weitere Einsturzgefahren abzuwenden, wird der Restturm gesprengt.
1816   Durch die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress wird auch unser Reichenberg betroffen. Das Hessische Amt Reichenberg wird aufgelöst und kommt mit 26 Orten zum herzoglich-nassauischen Amt St. Goarshausen.

Die Burg Reichenberg kommt unter die Domänenverwaltung des Herzogtums Nassau

1821   Der bauliche Zustand großer Teile der Burg ist bedrohlich, und die Einsturzgefahren werden größer. Die Domänenverwaltung lässt das Schloss stückweise auf Abbruch versteigen. Holzwerke, Fensterrahmen, Balken und besondere Steine werden herausgerissen und bei Bauvorhaben im Dorf, aber auch in der Umgebung verwendet. Teile der Vorwerke und Gärten gelangen in den Besitz von Anliegern.